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Die Wallfahrt auf den Fahrenberg
Hart an der tschechischen Grenze erhebt sich inmitten einer waldreichen Landschaft der 801 m hohe Fahrenberg bei Waldthurn, eine der ältesten Marienwallfahrtsstätten unserer bayerischen Heimat und deswegen auch der „heilige Berg der Oberpfalz“ genannt.
Anfangs stand auf dem Fahrenberg eine Burg, die um 1200 an den Templerorden überging. Ein Angehöriger dieses Ordens brachte nach der mündlichen Überlieferung 1204 aus dem heiligen Land eine Muttergottesstatue mit. Man baute an die Burg eine Kapelle und stellte dort das Marienbild zur Verehrung auf. Das war der Beginn der Wallfahrt. 1308 ging der Fahrenberg für knapp 50 Jahre in den Besitz des Zisterzienserklosters Waldsassen über, das die Burg in ein Kloster umwandelte, was natürlich für das Aufblühen der Wallfahrt sehr förderlich war. 1352 übernahmen Nonnen aus Böhmen das Klösterlein, wurden aber 1425 von den Hussiten vertrieben. Anschließend kamen noch einmal Mönche aus Waldsassen auf den Berg, doch wurden sie durch einen Bauernaufstand 1524 erneut vertrieben. Auch als die Herrschaft Waldthurn, zu der der Fahrenberg gehörte, evangelisch geworden war, riss die Wallfahrt nie ganz ab. Sie erlebte einen grossen Aufschwung, als das böhmische Adelsgeschlecht der Lobkowitzer die Regierung antrat: Als eifrige Förderer der Wallfahrt machten die neuen Herren Stiftungen („Fahrenbergschatz“), unterstützten tatkräftig den Neubau der Kirche 1762 und betrieben nach der Brandkatastrophe von 1772 energisch den Wiederaufbau der Wallfahrtskirche, die schon 1779 wieder eingeweiht werden konnte.
1807 kam Waldthurn und damit auch der Fahrenberg zu Bayern. Wie gut sich aber die Wallfahrt entwickelt hatte, geht aus einem Pfarrbericht von 1816 hervor, in dem es heißt: „Im ganzen Königreiche ist keine Wallfahrt berühmter und weit und breit besuchter.“ Infolge der napoleonischen Kriege wurde erst 1818 in feierlicher Form das 600jährige Wallfahrtsjubiläum begangen, ebenso 1904. Die Pilger kamen zu Tausenden, auch aus dem benachbarten Böhmen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Fahrenberg zu einer Stätte des Gebetes für den Frieden. Deshalb wurde auch 1956 auf dem Ostgiebel der Kirche eine in Kupfer getriebene, vergoldete Marienstatue, die „Friedensmadonna“, aufgestellt. Ihr Blick geht über den ehemaligen „Eisernen Vorhang“ hinüber ins böhmische Land. Auch die Rosenkranzstationen auf dem Pilgerweg von Waldthurn herauf wurden in diesem Jahr errichtet.
Bis heute hat der Fahrenberg nichts von seiner Bedeutung als Wallfahrtszentrum der Oberpfalz eingebüßt. Das Wallfahrtsjahr beginnt am 1. Mai und endet mit dem Christkönigsfest im November. Die Fahrenberger Wallfahrtsfeste sind das Dreifaltigkeitsfest, der Sonntag nach Mariä Heimsuchung (Patrozinium), der 15. August (Mariä Himmelfahrt) sowie der Sonntag nach Mariä Geburt, gleichzeitig die Männerwallfahrt der Oberpfalz. Im Juni und Oktober finden außerdem noch Friedenswallfahrten statt, die in den letzten Jahren auch wieder von Gruppen aus Böhmen besucht wurden.
Die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung
Der Turm an der Nordwestseite des Chores mit dem Spitzhelm aus dem 19. Jahrhundert überragt die 44 m lange, 17 m breite und 23 m hohe Kirche um 12 m. Er birgt vier Glocken, deren harmonisches Geläute bis weit in die umliegenden Täler hinein zu hören ist. Das Jahr der Vollendung 1779 weist darauf hin, dass wir hier vor einem Werk des späten Rokoko stehen. Freilich suchen wir hier schon außen vergebens etwas von der überfeinerten Raffinesse mancher Grundrisse aus dieser Stilepoche. Schlichtheit und Gediegenheit atmet der Bau, ein Werk einheimischer Bauleute und Künstler.
Auch im Innern der geräumigen Wallfahrtskirche sucht man vergeblich die von Rokoko-Kirchen gewohnte Fülle des Dekors. Es fehlen ein großes Deckenfresko und jeglicher Stuck. Das Jesus- und das Marienmonogramm allein bilden die sparsame Dekoration des Gewölbes. Das Langhaus besitzt fünf Joche. Gleich dem eingezogenen zweijochigen Chor mit dreiseitigen Schluss erhielt es Tonnengewölbe mit Stichkappen über den Fenstern.
Den insgesamt wuchtigen Charakter des Baus betonen die auf Sockeln stehenden überlebensgroßen Figuren an den Wänden. Da sind Abraham, Moses, David und Melchisedech als die Patriarchen des alten und Joseph und Johannes der Täufer als die des neuen Bundes. Der Mittelpunkt der Kirche ist der elegante Hochaltar mit dem Gnadenbild, einer mit einem Prunkgewand bekleideten spätgotischen Madonna, die auf dem rechten Arm das göttliche Kind hält. Im Hals der Marienfigur ist ein Schussloch, das auf einen calvinistischen Frevel von 1562 zurückgeht.
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